Worpsweder Künstler in Polen

Circa 70 Worpswede „Alte Meister“ (historische Kunstwerke) und circa 65 zeitgenössische Kunstwerke wurden für die Ausstellungen in Kazimierz Dolny ausgewählt. Mit über 130 Kunstwerken war dies die bis dato größte Schau deutscher Kunst in Ostpolen. – Einige Künstler stellten Ihre Werke persönlich vor. Stellvertretend für die 30 Teilnehmer aus Worpswede soll hier eine Auswahl von 3 Künstlern präsentiert werden.

David Didebulidze
Bernd Altenstein
Bernd Thiele


David Didebulidze

Port_Didebulidze, DavidZur Person: Geboren wurde David Didebulidze 1984 in Tbilissi in Georgien. Von 2001 bis 2003 studierte er Monumentale Malerei an der staatlichen Kunstakademie in Tbilissi und von 2005 bis 2008 Freie Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei an der Fachhochschule Ottersberg. 2006 schuf er ein einmonatiges Kunstprojekt im Asylheim Schruns in Österreich. 2008 erwarb er sein Diplom an der Fachhochschule Ottersberg. Didebulidze arbeitet als freischaffender Maler in Worpswede und Georgien.

 

Der Philantrop

„Der Philanthrop“, 2013, Öl auf Leinwand, 100×80 cm, Foto: D. Didebulidze

Zum Werk: Seit 2010 befasst sich David Didebulidze intensiv mit der inneren Abbildung des Menschen. Dabei ist es weniger eine naturgetreue Darstellung, die seine Bilder zeigen, als eine Vision, angesiedelt zwischen Schein und Sein. In den Gesichtern der monumental ins Bild gerückten Figuren drückt sich so manche Empfindung in einer eher naiven Malweise aus. Die Ambivalenz der Darstellung ist es, die den Betrachter zum Schmunzeln bringt. Didebulidze entfremdet die menschlichen Proportionen. Es sind Kindsfiguren mit großen Köpfen und kleinen Körpern, die in ihrer Physiognomie eher Kindern oder Kleinwüchsigen entsprechen und sie somit jeglicher Ernsthaftigkeit entbinden. Radikal treffen hier Ästhetik und Groteske aufeinander. Manche Motive erinnern an die höfische Malerei eines Velázquez, wobei der Ausdruck, die Intention und auch die Maltechnik des Künstlers vollkommen eigenständig sind. (Quelle: weser-kurier.de)

 


Bernd Altenstein

Port_Altenstein, Bernd KopieZur Person: Bernd Altenstein wurde 1943 in Schlossberg geboren. Von 1964-69 studierte er Bildhauerei an der Staatl.Akademie Stuttgart bei Prof. Rudolf Daudert und schloss mit einem Staatsexamen für Kunst und Kunstgeschichte ab. Anschließend arbeitete er bis 1975 bei Prof. Jürgen Weber an der TU Braunschweig als wissenschaftlicher Assistent und ab 1975 bis 2012 als Professor an der HfK Bremen, Studiengang Freie Kunst. Seit 1994 betreibt er gemeinsam mit Gisela Eufe ein Atelier in Worpswede.

Zum Werk: Der Bildhauer Bernd Altenstein arbeitet in Bronzeguß oder haut direkt in Stein. Seine Themen umkreisen immer wieder den Menschen im Blick individueller oder gesellschaftlicher Entwicklung. Altensteins Figuren oder Figurengruppe im Stadtraum sollen kritische Denkanstöße geben, anstatt in der Masse unterzugehen. Sie definieren nicht nur sich selbst, sondern auch den Raum um sich herum. Im Laufe der Jahre entstanden figurenreiche Szenarien und Brunnen im Stadtraum wie z.B. der „Stadtgeschichtsbrunnen „in Schöningen, der „Jacobusbrunnen „in Augsburg, der „Frauenbrunnen“ in Braunschweig der Rathausbrunnen in Hilden. In Bremen realisierte er vier Großplastiken am Holler See.

Pic_Altenstein, Bernd_2 Kopie

„Mit den Dingen“, 1986, Bronze, Höhe ca. 30 cm, Foto: Bernd Altenstein

 


Bernd Thiele

Port_Thiele, Bernd KopieZur Person: Bernd Thiele wurde 1947 in Bremerhaven geboren und lebt seit 1983 in Worpswede. Nach einem Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg von 1968-74 zog es den Künstler 1979 nach Los Angeles. Nach einem Jahr kehrte er zurück und brach 1982 für einen Studienaufenthalt nach Ithaka / Griechenland auf. In Worpswede betreibt Thiele ein offenes Atelier.

Zum Werk: Thieles Medium ist das Papier. Er lässt sich von seinen unterschiedlichen Farben und Qualitäten zu immer neuen Arbeiten inspirieren. Durch reißen entstehen Formen, die in Lagen übereinander oder nebeneinander geklebt Bilder ergeben. Die offene Kante des Papiers ergibt dabei ebenso malerische Eindrücke, wie die Farbe und verschiedenartige Oberfläche des Papiers. Thiele lässt auch mit bereits bedrucktem Papier wie Seekarten, Stichen, Fotografien und anderem fantasievolle Collagen entstehen, die keinem Thema folgen. Vielmehr folgt er seinem Material aus dem sich das Motiv ergibt.

Pic_Thiele, Bernd_Papierlandschaft Nr. 2 Kopie

„Papierlandschaft I“, 2000, Collage, ca. 120 x 100 cm, Foto: B. Thiele

 



Polnische Künstler

Von den zahlreichen Kunstschaffenden, die in Kazimierz Dolny leben oder arbeiten, wurden vierzig Künstler im Rahmen der Biennale in der Ausstellung „Zeitgenössische Künstler“ im Weichsel-Museum präsentiert. Stellvertretend stellen wir aus dieser Gruppe zwei Künstler der jüngeren Generation vor:

Agnieszka Mitura
Jan Michalak


Agnieszka Mitura

Port_Mitura, AgnieszkaZur Person: Geboren 1970. Sie lebt und arbeitet in Kazimierz Dolny.
1997 – Diplom in Malerei am Institut der künstlerischen Bildung der Maria-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin
Mitglied des Verbands der Polnischen Bildenden Künstler
Leitet die Galerie MIT in Kazimierz Dolny

Zum Werk: Mitura zählt zu den von Kritikern und Publikum geschätzten Künstlerin der jungen Generation. Sie arbeitet hauptsächlich in Öltechnik und greift überwiegend klassische Themen auf: Landschaften, vor allem rund um Kazimierz, Stillleben und Blumen.
Sie verfügt über einen skizzenartigen Strich, einen künstlich-verfremdeten Blick. Durch ihr meisterliches Spiel mit Licht versteht sie es besonders, die Flüchtigkeit und Veränderlichkeit der Natur zu unterstreichen. Vorzugsweise erarbeitet sie selbst komponierte Stillleben. In ihrem perfekten Arrangement aus Licht und starken Farben betont sie noch die kleinsten Einzelheiten und erinnert darin an die Malerei der Alten Meister.

Agnieszka-Mitura-Art

„Die Wechsel 08“, 2012, Öl/Leinwand, 60 x 60 cm, Foto: A. Mitura

 


Jan Michalak

Port_Michalak, JanZur Person: Geboren 1979 in Kazimierz. Er lebt und arbeitet im Dreieck: Rom – Paris – Kazimierz Dolny.
1999–2004 Studium in der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Malerei in der Werkstatt von Prof. K. Wachowiak und „Wandtechniken und Fresko“ in der Werkstatt von E. Tarkowski
Mitglied des Verbands der Polnischen Bildenden Künstler.
2008 Eröffnung der Autorengalerie „Szopa” in Kazimierz Dolly.

 

 

Jan-Michalak-Art

„Gestalt in roter Uniform“, 2011, Öl/Leinwand, 90 x120 cm, Foto: J. Michalak

Zum Werk: Michalak gehört zur jungen Malergeneration und entstammt einer traditionsreichen Künstlerfamilie. Sein Großvater Antoni Michalak war Mitbegründer der Künstlerkolonie in Kazimierz. – Aus dem Moment der individuellen künstlerischen Suche gestaltet der Künstler eine Vielfalt an Themen und Formen. Er sieht sich in der Tradition europäischen Kunstschaffens und ist zugleich von der Idee des Dadaismus eines Hugo Ball fasziniert. Seine großformatigen Ölbilder zeigen mehrere Handlungsebenen und historische Leitmotive. Sie sind dabei ausdrucksstark, ausgeklügelt und von surrealistisch anmutender Erzählweise. Den meisterhaften Einsatz von Farben nutzt er zur Darstellung der prächtigen Landschaften von Kazimierz. Zudem widmet er sich der Wandmalerei und Performance-Arbeiten.

 

 

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