Unter dem Motto „Transformers“ treffen sich Kunstschaffende vom 27. bis 30. Oktober in Worpswede

Die Ukraine zu Gast auf der Biennale

Worpswede. Zeitgenössische Werke aus der Ukraine stehen diesmal im Mittelpunkt der Kunst- und Filmbiennale in Worpswede. Der Künstlerort will damit eine Brücke zwischen West- und Osteuropa schlagen: Bildende Kunst, Film, Literatur und vor allem Begegnungen mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern sollen die Kolonie an vier Tagen zum Ort des Austausches werden lassen, das unterstreichen Festivalinitiator Jürgen Haase und Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke.

Die Brisanz des Themas Ukraine war beiden zu Beginn der Planung vor zwei Jahren noch nicht bewusst. „Jedenfalls nicht in dieser Dimension“, sagt Schwenke. Damals reisten Worpsweder Künstler ins polnische Kazimierz Dolny nahe der ukrainischen Grenze. So entstand die Idee, den Biennale-Fokus in diesem Jahr unter dem Titel „Transformers“ auf die Ukraine zu richten.

Transformation, der Übergang von einem Stadium in ein anderes, ist das Leitthema der Biennale. Seit 1991 postuliert ein Teil der Ukraine seine Unabhängigkeit. Die Menschen in der Westukraine von Lviv bis Kiew orientieren sich an Europa, während die Ostukraine, zum Teil von pro-russischen Separatisten beherrscht, die Annäherung an Russland sucht. Die Auseinandersetzung um die nationale Identität sei in vollem Gange, dieser Übergangsprozess spiegele sich vor allem in den Künsten wider, unterstreicht Festivaldirektor Jürgen Haase, Leiter des Wilhelm-Fraenger-Instituts in Berlin.

Im Zentrum der Veranstaltungsreihe steht die eigens für Worpswede kuratierte Ausstellung Transformers. „Kunst macht das wahre Gesicht eines Landes sichtbar. Kunst zeigt besser als Worte, was seit der Perestroika passiert ist“, sagt die Kuratorin Kateryna Ray bei der Vorstellung des Festivalprogramms am Mittwoch im Museum am Modersohn-Haus.

Sie rückt insbesondere Oleg Tistol und Oleksii Zolotariov, die sich als führende Vertreter der zeitgenössischen Kunstszene ihrer Heimat international einen Namen machen konnten, in den Blickpunkt. Fünf weitere Künstler kommen mit ihnen nach Worpswede und bringen rund 30 Arbeiten mit. „Sie bilden einen Abriss der Entwicklung der vergangenen 30 Jahre ab“, erklärt Kuratorin Ray.

Oleksii Zolotariov wurde 2013 auf die Liste der besten Bildhauer der Ukraine gesetzt. Im Museum am Modersohn-Haus zeigt er seine Skulptur „Mechanical orange/1“. Sie sei eine Metapher für „zerschnittene Orangen“, die als Symbol für ein gutes Leben stünden, erklärt Ray. Die einzelnen Teile könnten bildhaft gesprochen nicht mehr zusammengefügt werden.

Weitere Themen der ukrainischen Künstler sind die Veränderungen der Dorfstrukturen, die Wandlung von Werten und das Thema Idole. Ihnen gegenübergestellt werden Kunstwerke von Worpsweder Künstlern wie Karin Bison-Unger und David Didebulidze, Erhard Kalina und Ingrid Steckelberg, Barbara Heine-Vollberg, Klaus Benhof, Franziska Hofmann und Peter-Jörg Splettstösser.

Das Programm umfasst Ausstellungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Filme – von Road-Movies über Dokumentationen bis hin zu Komödien. Erwartet wird auch der Bestsellerautor Andrej Kurkow. Er liest am Sonnabend, 29. Oktober, ab 20 Uhr im Theater Alte Molkerei aus „Die letzte Liebe des Präsidenten“.

Die Eröffnungsveranstaltung beginnt am Donnerstag, 27. Oktober, um 18.30 Uhr im Museum am Modersohn-Haus. Nach der offiziellen Eröffnung mit dem Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, Andrij Melnyk, lädt Kuratorin Ray zum Rundgang ein.

Zeitgenössische Kunst aus der Ukraine und aus Worpswede werden ab Freitag, 28. Oktober, in der Galerie Art 99 ausgestellt. Die Vernissage beginnt dort um 18 Uhr. Am selben Tag läuft ab 19.15 Uhr im Theater Alte Molkerei der Dokumentarfilm „Maidan“. Im Anschluss moderiert der Journalist Armin Fuhrer ein Publikumsgespräch unter dem Titel „Euromaidan – der Wandel der ukrainischen Gesellschaft und die Folgen für Europa“.

Mit dabei sind Jan C. Behrends vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, Olena Pravylo, Vorsitzende der ukrainischen zivilgesellschaftlichen Organisation „Congress of Cultural Activists“ sowie der Sonderbotschafter des ukrainischen Außenministeriums, Dmytro Kuleba.

Anlässlich der Biennale verwandelt sich die Findoffstraße 4a in Worpswede in einen Ort der Kunst. Gezeigt werden zeitgenössische Werke von Worpsweder Künstlern unter dem Titel „Transformers – Bilder im Wandel“. Ein Künstlergespräch mit dem Titel „Do it yourself – Neue Wege der Künstler-Selbstvermarktung“ startet am Sonnabend, 29. Oktober, um 15 Uhr im Museum am Modersohn-Haus. Ab 17 Uhr wird im Theater Alte Molkerei der Film „Road Movie Ukraine“ gezeigt.

Weitere Informationen unter www.biennale-worpswede.de.

„Kunst macht das wahre Gesicht eines Landes sichtbar.“ Kateryna Ray, Kuratorin
„Kunst zeigt besser als Worte, was seit der Perestroika passiert ist.“ Kateryna Ray

Copyright: WESER-KURIER
Autorin: Petra Scheller