Wandlungen von Raum und Wahrnehmung
Ausstellungssektionen „Transformers II/III in den Galerien Art 99 und Findorffstraße 4a eröffnet

Worpswede. “Transformers“, unter diesem Titel steht die Kunst-und Filmbiennale, die von dem Berliner Wilhelm Frenger-Institut in Worpswede organisiert wurde. Den Mittelpunkt bildet die Auseinandersetzung mit der Kunst und Kultur der Ukraine. Nach der Eröffnung im Museum am Modersohn-Haus folgten zwei weitere Ausstellungen, in denen auch Worpsweder Künstler ihre Arbeiten zu dem Thema präsentieren. Zu sehen sind sie in der Findorffstraße 4a sowie in den Räumen der Galerie Art 99.

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Kinder, die Gestalten auf den Bildern von David Didebulidze. Der Künstler spielt hier mit der Wahrnehmung des Betrachters, indem er kindliche Attribute mit denen Erwachsener kombiniert und so in menschliche Abgründe blickt. Gleichzeitig greift der Künstler in den Raum ein mit einer Installation, in der Licht als Form des Seins, Gedanken, Ideenkonstrukte und Projektionen visualisiert werden.

Mit grafischen und malerischen Mitteln zeigt Franziska Hofmann die Vielfalt und Wandelbarkeit von Lebensräumen. Durch die Überschneidung von dynamischen Linien und Flächen suggeriert sie Bewegung und Transformation von Räumen, zwischen denen sich Menschen bewegen.

Mit politischer Gewalt und Kriegen setzt sich der Fotograf Klaus Benhof in seiner Installation auseinander. In seinen eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern will er den körperlichen und seelischen Schmerz visualisieren. Dabei geht es ihm darum, zu zeigen, dass die Traumata sich auf nachfolgende Generationen auswirken können.

Worpsweder treffen auf Ukrainer

Im Werk von Uwe Häßler steht die menschliche Figur in der Wandelbarkeit ihrer Gestalt, Form und ihres Ausdrucks im Mittelpunkt. In „Wandlung I“ fügt er Gesichtshälften jeweils seitenverkehrt zusammen, sodass sich surreale Ansichten ergeben.

Der Maler und Objektkünstler Peter-Jörg Splettstößer befragt mit seinen Arbeiten den ihn umgebenden Raum und die Landschaft. Diesen nimmt er häufig über lange Prozesse durch Sehschlitze wahr. Genau die Elemente und Farben, die er dann sieht, erscheinen als Fragmente auf der Leinwand und werden zu poetischen Kompositionen.

Während in der Findorffstraße allein Worpsweder ihre Arbeiten zeigen, kommt es in der Galerie Art 99 zu einer Begegnung zwischen Künstlern der Galerie und Gästen aus der Ukraine. Der erste Blick fällt auf ein überdimensionales Ohr, gemalt von Andriy Sagaidakovskiy. Der Künstler, der meist Teppichfetzen als Malgrund nutzt, will darauf hinweisen, dass viele Informationen den Menschen erreichen, er aber stets selbst entscheiden kann, wie er sie verarbeitet. Artem Volokitin weist in seinem großformatigen Gemälde mit der gleichzeitigen Darstellung eines Feuerwerks und einer Bombenexplosion auf die Nähe von Schönheit und zerstörerischer Kraft hin.

Eindringliche bewegte Bilder zeigt Oleksandr Roytburd, der inspiriert wurde durch den Stummfilm-Klassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1925. Daraus mischt er Teile mit neu gedrehten Inhalten auf den berühmten Stufen der Treppe Odessas aus dem Jahr 1989 und schafft so ein bewegendes existenzialistisch Filmerlebnis mit surrealistischen Elementen.

In Korrespondenz dazu stehen Arbeiten, von Künstlern der Galerie, die Problematiken darstellen, die sie bewegen. So hinterfragt Ingrid Steckelberg, wie unsere Landschaft wohl morgen aussehen wird. Wird der Fortschritt zum Albtraum? Karin Bison-Unger betrachtet die Wandelbarkeit des Geldes, das sie als Projektionsfläche eines Wertes darstellt. Dazu hat sie Geldscheine zu Euro-Konfetti geschreddert, das nun aus dem Füllhorn Plutos, dem Gott des Reichtums, quillt. In ihren geometrischen Kompositionen setzt Marina Krasnitskaya meist weibliche Figuren in Szene. Inspiriert durch die traditionelle Volkskunst ihrer Heimat, erzählt sie von Liebe, Hoffnung und Einsamkeit, wobei jeder Betrachter aufgefordert ist, die Bilder nach seiner eigenen Wahrnehmung zu interpretieren.

Die Arbeiten der Ausstellungen „Transformers III“ sind in der Findorfstraße 4a am 5. und 6. November sowie am 12. und 13. November jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen. In der Galerie Art 99 läuft die Ausstellung bis zum 2. Dezember. Die Öffnungszeiten dort: dienstags bis sonntags zwischen 11 und 16 Uhr.

Copyright: WESER-KURIER
Autorin: Donata Holz