„Culture – Creating – Confidence“: Russland zu Gast in Worpswede Unter dem Motto „Kultur schafft Vertrauen“ findet vom 25. bis 28. Oktober die V. Kunst- und Filmbiennale in Worpswede statt: Eine Begegnung zwischen Ost und West mit Kunst, Film und Literatur an drei Orten – Galerie Art 99, Museum am Modersohn-Haus und Galerie Altes Rathaus. Mit dabei sind international ausstellende Künstler, Regisseure und Autoren aus Russland sowie Kunst- und Kulturschaffende aus Norddeutschland.

Im Zentrum der viertägigen Veranstaltung steht die eigens für die traditionsreiche Künstlerkolonie kuratierte Ausstellung „MENSCH, Kosmos! – Zeitgenössische Kunst aus Russland und Norddeutschland“. Diese zeigt Malereien, Fotografien, Installationen, Videoarbeiten und Skulpturen von 16 Künstlerinnen und Künstlern aus Ost und West. Begleitet wird sie von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm aus Film, Literatur und Publikumsgesprächen, welches die Möglichkeit eröffnet, sich über Mentalitäten und künstlerische Standpunkte auszutauschen. „Damit wollen wir auch ein Zeichen setzen gegen die politischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland“, sagt der Veranstalter, Prof. Jürgen Haase, vom gemeinnützigen Wilhelm Fraenger-Institut in Berlin, das Gründer und Ausrichter dieser Begegnung und der vorangegangenen Biennalen ist.

„MENSCH, Kosmos!“ – die Ausstellung
Für die Werkschau wurden namhafte russische Künstler gewonnen, darunter Anastasia Khoroshilova, renommierte Dokumentaristin des russischen Alltagslebens, Katerina Belkina, deren Selbstporträts als beispielhaft gelten für die moderne Kunstszene Russlands, sowie der Bildhauer Ivan Gorshkov, der 2017 unter die „Top 20“ der einflussreichsten jungen Künstler Russlands gereiht wurde. Gemeinsam mit fünf weiteren Künstlern stellen sie rund 40 Werke aus, die die kulturelle und politische Entwicklung ihres Heimatlandes in den Jahren von 1990 bis 2018 reflektieren. „Unsere Bilder von Russland stammen meist aus Nachrichtensendungen. Daraus entstehen häufig Urteile, aber auch Vorurteile, die sich in den Köpfen verfestigen. Diese aufzubrechen durch den Dialog miteinander, ist eines der Ziele der Biennale“, erklärt Prof. Jürgen Haase.

Den russischen Arbeiten stehen weitere rund 40 Werke von norddeutschen Künstlern gegenüber – von Daniel Behrendt, Ulrich Conrad, Tom Gefken, Fritz Koch, Ralph Kull, Ivanka Svobodová-Rinke, Peter-Jörg Splettstößer und Sibylle Springer. „Aus dem Zusammenspiel der Ideen und Geschichten, die sich in den Kunstwerken der Biennale offenbaren, werden die Menschen beider Länder in ihren Lebensräumen, ihren Träumen und Sehnsüchten betrachtet; so wollen wir die Künstler und Besucher der Biennale miteinander ins Gespräch  bringen“, betont Eleonora Frolov, die Kuratorin der Ausstellung „MENSCH, Kosmos!.“

Film, Literatur und Diskussion
Zum Rahmenprogramm der Kunst- und Filmbiennale gehören Filmvorführungen im Museum am Modersohn-Haus. Den Auftakt macht am Freitag, dem 26. Oktober um 19.45 Uhr der preisgekrönte Spielfilm „Der die Zeichen liest“ des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov. Darin erzählt er die Geschichte eines Jugendlichen, der sich in religiösen Fundamentalismus hineinsteigert und dabei zugleich mit Staat und Kirche in Russland abrechnet. Am Samstag, dem 27. Oktober steht um 15 Uhr „Die Sanfte“ des ukrainischen Regisseurs Sergei Loznitsa auf dem Programm. Das Filmdrama nach der gleichnamigen Novelle von Fjodor Dostojewski handelt von einer Frau, die ins Gefängnis geht, um herauszufinden, was mit ihrem Mann geschehen ist. Am Sonntag, dem 28. Oktober läuft um 16 Uhr der Film „Arrhythmia“ von Boris Khlebnikov, eine einfühlsam und mit skurrilem Humor inszenierte, sozialkritische Liebesgeschichte mitten im russischen Alltag. Im Anschluss an die Filmvorführungen besteht die Möglichkeit des Austausches.

Am Samstag, dem 28. Oktober ist der Schriftsteller und Journalist Nik Afanasjew zu Gast. Er liest um 19.30 Uhr im Museum am Modersohn-Haus aus seinem aktuellen Buch „König, Krim und Kasatschok“. Für dieses Werk bereiste der Autor das Russland seines Vaters und erlebte dabei viele mitunter schräge Begegnungen. Nach der Lesung diskutiert Nik Afanasjew ab 20.45 Uhr gemeinsam mit dem Publikum sowie russischen und deutschen Künstlern zum Thema „Russland und der Westen – Kulturen im Dialog“.

Ein Brückenschlag von Ost nach West
Eröffnet wird die Kunst- und Filmbiennale Worpswede 2018 am Donnerstag, dem 25. Oktober um 18.30 Uhr im Museum am Modersohn-Haus. Ein Ereignis, dem auch Andrei Sharashkin, russischer Generalkonsul in Hamburg, und Tamara Nazarova, Leiterin der russischen Künstlerkolonie Talashkino, beiwohnen werden. „Unsere Gäste erwartet ein neuer Blick auf Russland. Die Künstler schlagen eine Brücke wie einst Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika“, betont der Veranstalter.

Weshalb gerade Russland in Worpswede? Darauf hat der Bürgermeister des Künstlerdorfes bei Bremen, Stefan Schwenke, eine Antwort: „Worpswede und Russland sind historisch wie künstlerisch unter anderem durch das Wirken von Rainer Maria Rilke verbunden. Deshalb freue ich mich schon sehr auf einen spannenden Austausch.“ Der Dichter Rilke, dessen Name eng mit Worpswede verknüpft ist, reiste begeistert in die bei Moskau gelegene Künstlerkolonie Abramzewo – auch bekannt als „russisches Worpswede“. Rilkes Russland-Reisen gingen als eine seiner prägendsten Auslandserfahrungen in die Geschichte der deutschsprachigen Literatur ein. Jürgen Haase: „Vor diesem Hintergrund wird auch die Worpsweder Leidenschaft für Russland auf der Biennale 2018 beleuchtet.“

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.biennale-worpswede.de. Alle Veranstaltungstermine können Sie dem beiliegenden Flyer entnehmen.


V. Kunst- und Filmbiennale Worpswede
25. – 28. Oktober 2018

Die Eröffnungen der Ausstellungen am 25.- 27. Oktober sind kostenfrei!

Kosten weitere Öffnungszeiten:
Galerie Art 99: 3 Euro, Museum am Modersohn-Haus: 5 Euro, Galerie Altes Rathaus: 3 Euro
Kombi-Ticket für alle Ausstellungshäuser: 9 Euro

Karten: Tourist-Information Worpswede, Bergstraße 13, 27726 Worpswede, Telefon: 04792-935820;
Fax: 04792-935823, E-Mail: info@worpswede.de

Sandra Wagner
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