Bronowice

Das unweit Krakau gelegene Dorf Bronowice besitzt seit seinen Anfängen eine enge Bindung zur Stadt Krakau. Um 1900 wurde die Bronowicer Folklore zur Inspiration für die Schriftsteller und Künstler der Strömung „Junges Polen”, wie der Jugendstil in Polen bezeichnet wird.

Der „Entdecker“ des malerischen Reizes von Bronowice war der Student der Krakauer Schule für bildende Künste Ludwik de Laveaux, der seine Freunde hierhin lockte. Getreu der ländlichen Inspiration des polnischen Jugendstils gab es bald schon zwei Hochzeiten. Der Kunstmaler Włodzimierz Tetmajer und der Dichter Lucjan Rydel heirateten die Bauernmädchen Anna und Jadwiga. Die Jungvermählten ließen sich in Bronowice, der Heimat der Schwestern nieder. Unter den Hochzeitsgästen befand sich der Maler und Schriftsteller Stanisław Wyspiański, der das Ereignis in dem Drama „Wesele“ (Die Hochzeit) verewigte. Die Hochzeit selbst diente in dem Stück als Grundlage für die Kritik an der Unfähigkeit der polnischen Intellektuellen, den Kampf um die Unabhängigkeit Polens, das zu jener Zeit kein souveräner Staat war, zu führen.

Fortan fanden sich in den Häusern Tetmajer und Rydel die namhaften polnischen Künstler ihrer Zeit ein: der erwähnte Stanisław Wyspiański, die Schriftsteller Stanisław Reymont, Henryk Sienkiewicz und der Maler Aleksander Gierymski. Im Sommer veranstaltete hier der Maler Stanisław Wyczółkowski seine Pleinair-Ausstellungen.
Das Stück „Die Hochzeit“ rief bei seiner Uraufführung einen Skandal hervor. Heute zählt es zu den Meisterwerken polnischer Literatur und wurde 1973 von Andrzej Wajda unter dem Titel „Hochzeit“ verfilmt.

Zwar wurde Bronowice im 20. Jh. zu Krakau eingemeindet, sein einzigartiger Charakter blieb jedoch erhalten. Das restaurierte Haus von Lucjan Rydel, genannt „Rydlówka“ erinnert an die Zeit des Ruhms um die Jahrhundertwende. Es verblieb im Besitz der Familie des Künstlers und beherbergt heute das Regionalmuseum „Junges Polen“.

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