Zakopane

zako1Die wissenschaftliche und touristische Entdeckung der Tatra begann zu Beginn des 19. Jh. Für viele Polen verkörperte die Gebirgsgegend ein unabhängiges Polen, das zu dieser Zeit aufgeteilt war zwischen den drei Teilungsmächten – Russland, Österreich und Preußen. Die Berge galten als Symbol der Freiheit – ein Gedanke, der sich in allen Lebensbereichen, besonders in Kunst und Poesie, widerspiegelte. Zur Jahrhundertwende war das am Fuße der Tatra gelegene Dorf Treffpunkt der Intellektuellen aus den drei Teilungsgebieten. Zakopane galt als Zentrum des freien Gedankenaustausches von Patrioten, die geeint waren durch die Idee eines unabhängigen Polens.

1873 kam der bekannte Warschauer Arzt, Dr. Tytus Chałubiński, nach Zakopane. Er setzte sich für die Popularisierung der Tatra in Kunst-und Kulturkreisen ein. Durch sein Wirken gründeten sich in Zakopane zahlreiche Kulturinstitutionen, darunter 1888 mit dem Tatra-Museum das erste Regionalmuseum. 1890 ließ sich hier der Maler, Architekt und Kunsttheoretiker Stanisław Witkiewicz nieder. Auf ihn geht die Verbreitung des bekannten „Zakopaner Stils“ zurück, einer einzigartigen Mischung aus Jugendstil und Holzbauweise. Das erste im „Zakopaner Stil“ entworfene Haus von Witkiewicz ist die Villa Koliba, die heute ein Museum beherbergt, dass sich diesem regionalen Stil widmet. Neben zahlreichen anderen Geistesgrößen war 1899 der bekannte Schriftsteller und Publizist Stanisław Przybyszewski mit seiner Gattin Dagny Juel zu Gast in Zakopane.

zako2Bereits in der 2. Hälfte des 19.Jh. hatte sich Zakopane zu einem bekannten Kur- und Erholungszentrum entwickelt und war zudem Sitz der Künstlerkolonie. Diese Aspekte prägen bis heute das Bild der Stadt. Zakopane gilt zudem dank der ausgezeichneten Schneebedingungen als Winterhauptstadt Polens. Alljährlich finden dort zahlreiche Kulturveranstaltungen statt, etwa der „Tatraherbst“ oder das Musikfest. Zakopane wurde zur Zeit der Jahrhundertwende aufgrund seiner traditionsreichen Kulturgeschichte und Naturschönheit auch als geistige Hauptstadt Polens und als „polnisches Piemont“ bezeichnet.

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