Kremenez – Die mühsame Rückkehr zur Künstlerkolonie

Kremenez_Blick-auf-Innenstadt,-Foto_Petro-Vlasenko

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Tätigkeit des Zeichnerischen Ferienzirkels und somit erlosch das künstlerische Leben in Kremenez. Die letzte größere Gruppe von Künstlern kam im Sommer 1939. Die Eröffnung einer großen, dem Dichter Juliusz Słowacki gewidmeten Ausstellung, fand nicht statt. Am 12. September begann das heftige Bombardement der Stadt. Dieser und die folgenden Luftangriffe vernichteten die historische Architektur, die der Stadt ihren außerordentlich malerischen Charakter verliehen hatte. Als letzte verließen Kremenez Bolesław Stawiński 1945, Emil Krcha und Jan Cybis 1943 und ein Jahr davor Bronisław Gniazdowski die Stadt. Die politische Lage nach dem Krieg, als Kremenez bereits auf dem Gebiet der Sowjetunion lag, war für die Fortsetzung der Vorkriegsidee einer Künstlerstadt nicht gerade günstig. Jegliche Forschungen und Rückbesinnungen auf das Mekka der Künstler wurden untersagt. Die Arbeiten jener Maler, die gezielt als Kern der künftigen Sammlung des noch zu gründenden Museums für Moderne Kunst zurückgelassen worden waren, wurden im Museum für Landeskunde eingelagert. Dabei handelt es sich um Werke von Künstlern wie Jan Cybis, Stanisław Szczepański, Władysław Galimski, Emil Krchta und Stanisław Sheybal. Zahlreiche Arbeiten befinden sich auch in ukrainischem Privatbesitz.

Krzemieniec-–-alt-und-neu,-Foto_-A
Die erste große Ausstellung, die den künstlerischen Rang von Kremenz ins allgemeine Bewusstsein zurückrief, trug den Titel Die Künstlerkolonie in Kremenez an der Ikwa und wurde 2010 von Waldemar Odorowski und Dorota Seweryn-Puchalska im Museum an der Weichsel in Kazimierz Dolny organisiert. Beinahe alle Künstler, die in Kremenz ansässig waren, wurden berücksichtigt und am symbolhaft gewählten Ausstellungsort knüpfte man mit den Worten an: „was Kremenez für Krakau war, das war Kazimierz an der Weichsel für Warschau“. Ein Jahr später fand in Kremenez die Konferenz Kremenezer Pleinairs in den 1930er Jahren – Tradition, Gegenwart, Perspektiven statt, ihre Ideengeber waren Dr. Józef Grabski vom Internationalen Forschungsinstitut der Kunst in Krakau und der Kremenezer Künstler Anatolij Martuniuk. Unter den Mitveranstaltern befand sich das Pädagogisch-Humanistische Taras-Szewczenko-Institut, ein Nachfolger – wenn auch in einer anderen Form – des Kremenezer Lyzeums. Der Eröffnungsvortrag trug den vielsagenden Titel Zwischen den alten und neuen Zeiten: Wiederaufnahme der Kremenezer Pleinairs, was ein Hinweis auf den nicht nur theoretischen, sondern auch künstlerischen Charakter dieser Begegnung war. An die Vorkriegstradition anknüpfend, nahmen Künstler aus Polen und der Ukraine teil. Bereits in den 1930er Jahren wurde nicht nur die Ausstellung der ukrainischen Maler aus der Gruppe Spokij gezeigt, sondern ukrainische Künstler arbeiteten gemeinsam mit polnischen Künstlern bei den Pleinairs in Kremenez, zu nennen wäre hier Aleksander Jakimczuk zu nennen. Die Polnische Gesellschaft der Freunde von Kremenez und der Kremenzer Region mit Mariusz Olbromski als Projektkoordinator und das Juliusz-Słowacki-Museum in Kremenez veranstalten u.a. unter Schirmherrschaft des Kulturministeriums die alljährlichen interdisziplinären Begegnungen unter dem Titel Dialog zweier Kulturen. Der wissenschaftliche Teil wird von polnisch-ukrainischen Maler- und Fotografen-Pleinairs begleitet.
Seit den 1990er Jahren lebt Kremenez in künstlerischer Hinsicht auf. Das vorhandene Bewusstsein der künstlerischen Bedeutung der Vorkriegszeit hilft wesentlich bei der Wiederbelebung dieser Tradition. Immer mehr Künstler aus der Ukraine nehmen an den dortigen Pleinairs teil und immer mehr polnische Künstler entdecken diesen Ort, so wie es die Maler vor dem Zweiten Weltkrieg getan haben. Was zieht sie nach Kremenez? Die bezaubernde Lage der Stadt, die Spuren der vergangenen Pracht, die mit Geduld gesucht werden müssen und – die Schönheit der hiesigen Natur. Und das, was vermutlich am wichtigsten ist: das unbewusste Bedürfnis einer Rückkehr zu den Wurzeln der Kunst und Tradition.
Dorota Seweryn-Puchalska (Kunsthistorikerin)

Sechs Künstler, die in der Künstlerkolonie Kremenez leben und arbeiten, werden in der Ausstellung „Zeitgenössische Künstler“ im Museum an der Weichsel bis 30.November 2014 präsentiert. Stellvertretend stellen wir aus dieser Gruppe zwei Künstler vor:

Aleksandra Bilobran
Anatol Martyniuk

PageLines