Gastgeber Russland

Deutschland und Russland haben eine lange gemeinsame politische und kulturelle Geschichte, zum Teil auch mit schicksalhaften Verbindungen. Die politischen Rahmenbedingungen haben sich seit der Wiedervereinigung 1990 auf der Welt stark verändert. Ohne „Perestroika und Glasnost“, ohne die Bereitschaft, der damaligen Sowjetunion und der Alliierten, der Teilung Deutschlands ein Ende zu bereiten, wäre Europa nicht das, was es heute repräsentiert. Ein globaler Wandel, ein Wandel der Annäherung das sind die zukünftigen Perspektiven der unterschiedlichsten Länder.

Die Verbindungen, gerade zwischen dem Künstlerdorf Worpswede und Russland, sind evidenter als allgemein bekannt. Worpswedes berühmtester Langzeitgast, der Dichter Rainer Maria Rilke, entdeckte um die Jahrhundertwende seine Russland-Leidenschaft. Sein Interesse an dem Land fand in seiner Literatur starken Widerhall. Literaturwissenschaftler sehen Russlands Bedeutung für das Schaffen Rilkes vergleichbar mit der Bedeutung Italiens für Johann Wolfgang von Goethe.

Nach wie vor ist Russland ein Land, das auf viele zeitgenössische Künstler inspirierend wirkt. Aus diesem Grunde sind deutsche Künstler auf der „Kunst- und Filmbiennale St. Petersburg“ vertreten.

St. Petersburg verfügt über einen Vielzahl von Künstlerhäusern, Galerien und Museen. Mit der Eremitage verfügt Russland über eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Die westeuropäische Kunst und Kultur ist hier stark vertreten. Dazu gehören Werke von Raphael, Tizian, El Grecco oder Rubens sowie ein großer Teil der französischen Impressionisten.

Die Verbindung einer Künstlerkolonie und einer Kunstmetropole wie St. Petersburg ist besonders reizvoll, da unterschiedliche kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen aufeinandertreffen. Dieses Spannungsfeld eröffnet der Öffentlichkeit eine andere, neue Perspektive auf Deutschland und Russland und deren Werteverständnis.

Das Biennale-Projekt 2019 besitzt große Bedeutung, weil durch den Austausch mit Kulturschaffenden aus der  – gesellschaftlich oft kritisch betrachteten  –  Russischen Föderation im Jahre 2018 in Worpswede eine breite Bevölkerungsschicht erreicht werden konnte. Was folgt, ist der Gegenbesuch im Rahmen der Biennale 2019 von deutschen Künstlern, um den begonnenen Dialog zwischen Russland und Norddeutschland zu vertiefen.

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